Abiturienten weihen Partnerschule ein
Kategorie: Childaid Network, MedienberichtVON: MARTIN KASPER
Zwei der diesjährigen Abiturienten des Taunusgymnasiums in Königstein waren letzte Woche in der kleinen Stadt Amguri in Assam bei der farbenprächtigen Einweihung der neuen Oberschule der Stiftung Childaid Network für die Flüchtlingskinder in Assam zugegen. Nadia Wolf und Leonard Rottok erlebten so selber die Begeisterung der vielen Kinder über ihre neue Schule und die Freude der Eltern, dass ihre Kinder nun die Chance auf eine gute Ausbildung haben
Ein buntes Fest der Freude
Als das Team aus Honoratioren, Lehrern und Gästen aus Deutschland zusammen mit vielen Vertretern der Dörfer am 5. Dezember gegen Mittag den kleinen Berg Richtung Amguri hinunterrollten, da bot sich Ihnen ein farbenprächtiges Bild: Tausende Schüler und Schülerinnen in Schuluniform bildeten ein buntes Spalier in Regenbogenfarben: Glänzende Zauberhüte auf dem Kopf und farblich abgestimmte Luftballons in der Hand säumten sie die Straße über mehr als einen Kilometer und hießen die Besucher mit Rufen und bunten Reigen herzlich willkommen.
Sie brachten so ihre große Freude zum Ausdruck, dass sie nun eine richtige Schule aus Stein besuchen können. Standen hier bisher nur enge Bambushütten, die als Schule dienten, so ist in zügiger Arbeit in den letzten Monaten eine bescheidene, aber schöne Schule aus Stein entstanden. Die Handwerker hatten am Vortag noch die letzten Arbeiten an den Treppenstufen vollendet, auch für den Sanitärtrakt ist erst ein Provisorium fertig, doch ansonsten strahlt die Schule schon in angenehmem Grün und die Klassenräume sind bezugsfertig.
Mit vielen bunten Tänzen der Schüler und Schülerinnen und Reden der offiziellen Regierungsvertreter, Kirchenleute und Stammesoberen wurde dann in Gegenwart des Erzbischofs aus Guwahati, Thomas Menamparampil, der 2007 auch Königstein besucht hat, die neue Oberschule in Amguri, Bezirk Kokrajhar, Assam, geweiht und symbolisch in Betrieb genommen. Sie ist eine von sieben Schulen die mit Hilfe der deutschen Organisation ‚German Doctors‘ aus Frankfurt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit für die Schulklassen der Stiftung Childaid Network im westlichen Assam gebaut wurden und nun eingeweiht werden konnten.
Das Programm Bildung für Flüchtlingskinder zeigt schöne Erfolge
Inzwischen werden etwa 3500 Kinder des Stammes der Santhals im westlichen Assam von Lehrern unterrichtet, die die Königsteiner Stiftung Childaid Network finanziert. Viele der Schüler und Schülerinnen haben in den letzten zwei Jahren riesige Fortschritte gemacht. Die lokale Koordinatorin des Programmes, Frau Anna Choudhury, konnte Dr. Kasper von Childaid Network, der bei der Einweihung auch anwesend war, stolz präsentieren, dass mehr als 80 % ihrer in den Flüchtlingslagern geborenen und aufgewachsenen Schüler nun die staatlichen Jahrgangsexamina bestanden haben und viele sich auch für weiterführende Schulen qualifizieren. „Unsere Kinder sind infiziert von dem Virus zu lernen und Erfolg zu haben. Sie sehen die Chance, aus dem Elend ihrer Eltern auszubrechen und einen ordentlichen Beruf zu erlernen. Diese Schulen werden sie zusätzlich beflügeln“, meint Pater Thomas, der das Projekt mit initiiert hat.
So kommt die Einweihung der Oberschule in Amguri und der Mittelschule in Joypur wenige Kilometer entfernt zu einem sehr guten Zeitpunkt. Schrittweise werden die gut qualifizierten Schüler der umliegenden Grundschulen so Zugang zu einer weiterführenden Ausbildung bekommen. 16 Klassen in der Oberschule in Amguri und 13 Klassenräume in der gleichfalls letzte Woche eingeweihten Mittelschule in Joypur bieten Platz für mehr als 1000 Schüler, mit indischen Klassenstärken. Schon gibt es selbst gezimmerte Schulbänke, ein schlichtes Labor und sogar die ersten Anfänge einer kleinen Bibliothek. Doch vieles ist noch provisorisch.
Brücke nach Königstein
Nadia Wolf und Leonard Rottok, zwei Abiturienten des Jahrgangs 2009 des Taunusgymnasiums Königstein, hatten Ehrenplätze auf dem Podium. Beide hatten sich in den letzten Wochen in den Kinderheimen von Pater Lukose in Guwahati ehrenamtlich engagiert. Dort hatten sie hautnah erfahren, welches Schicksal viele Kinder in den Städten Assams erleiden müssen – von den Eltern allein gelassen, häufig als Kinderarbeiter ausgebeutet und manchmal auch durch Unfälle oder Krankheit dauerhaft gezeichnet.
Doch nun waren sie als erste Abordnung des Taunusgymnasiums hier: Eine Gruppe von Schülern und Lehrern des Gymnasiums hat eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die die Stiftung Childaid Network unterstützt. Gemeinsam soll eine möglichst enge Patenschaft zu dieser neuen Schule im westlichen Assam entstehen: persönlicher Austausch soll helfen, die gegenseitigen Lebensbedingungen besser zu verstehen, gegenseitige Besuche vertiefen persönliche Bande, und mit Spenden soll dazu beigetragen werden, dass die Bildung der Flüchtlingskinder aus dem Stamm der Santhals weiter so gute Fortschritte machen kann.
Childaid Network – eine Stiftung für Bildungsgerechtigkeit
Inzwischen erreicht die Königsteiner Stiftung Childaid Network fast 10.000 Kinder und junge Leute mit den Bildungsprojekten und fördert fast 200 (kleine) Schulen. Neben den Schulen für die Flüchtlingskinder im westlichen Assam sind in den letzten drei Jahren Dorfschulen in den entlegenen Bergdörfern der Himalayas, Vorschulen für Stammeskinder und Nachbarschaftsschulen für Kinder aus den Elendsquartieren der Städte entstanden. Dabei arbeitet die Stiftung in enger und professioneller Partnerschaft mit zuverlässigen Hilfsorganisationen in den Zielländern, derzeit Nordostindien und Nepal. „Hierdurch stellen wir sicher, dass wir eine gute Verwurzelung in den Dorfgemeinschaften haben, die Bedarfe richtig einschätzen können, gute Lehrer bekommen und die Mittel auch wirkungsvoll verwenden“, sagt Dr. Kasper, der Stiftungsgründer.
Ihre Hilfe ist wichtig – und jeder Euro kommt an
Childaid Network kann diese Arbeit nur leisten, weil sich viele Menschen in Königstein und Umgebung mit den Zielen der Stiftung identifizieren und mithelfen. Childaid Network arbeitet ausschließlich mit einem Netzwerk von ehrenamtlichen Helfern – darunter inzwischen viele Königsteiner. Und jede Spende kommt an. Für die Verwaltungskosten kommen die Stifter und ein Förderkreis auf. So können alle Spenden vollständig an die Projekte weiter gereicht werden. Ein Euro pro Tag reicht, um einem Kind eine bessere Zukunft zu schaffen. Mit 50 Euro im Monat wird eine Vorschullehrerin in den Bergdörfern ausgebildet, bezahlt und mit Materialien unterstützt. 100 Euro im Monat braucht Childaid Network, um eine ganze neue Schule für 40 bis 60 Schüler und Schülerinnen, die sonst keinen Zugang zu Bildung haben, einzurichten.


