19.11.09 11:06 Alter: 2 yrs

Einweihung Childaid Waisenhaus in Shillong

Kategorie: Childaid Network, Königsteiner Salon, Medienbericht

VON: CHRISTIANE GENSRICH

Dank Spenden aus dem Taunus und Zuschüssen aus Bonn gebaut, wurde jetzt ein neues Heim für Kinder in Shillong (Indien) eingeweiht. TZ-Redakteurin Christiane Gensrich war dabei.


Königstein/Shillong. Aufgeregt stehen die Kinder vor dem Haus mit der rosa gestrichenen Fassade. Ein Band mit einer Schleife versperrt noch symbolisch den Eingang des neuen Straßenkinder-Heims in der Stadt Shillong im nordostindischen Bundesstaat Meghalaya.

Das Königsteiner Kinderhilfswerk Childaid Network und das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben den Bau, in Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Don Bosco Jugend Dritte Welt, finanziert. Rund 105 000 Euro hat das neue Haus gekostet.

 

Zur Einweihung war eine fünfköpfige Delegation aus Königstein angereist. Den Deutschen überreichten die indischen Kinder zur Begrüßung Blumen und Schals. Ehrengast aber war ein Mexikaner: Der Generalobere der Salesianer, Pater Pascual Chávez Villanueva. Denn die Salesianer Don Boscos, der zweitgrößte katholische Männerorden, werden das Heim betreiben.

 

Chávez, der vom Hauptsitz der Salesianer in Rom gekommen war, schnitt nicht nur das Band durch und segnete das Haus, sondern sorgte mit seiner Rede auch für eine Überraschung. Als er an der Reihe war, stand er auf und zitierte, was Jesus in einer biblischen Geschichte gesagt hatte: «Lasset die Kindlein zu mir kommen.» Das Rednerpult ließ er links liegen und forderte stattdessen die indischen Kinder, die sich brav und schüchtern hinter die Erwachsenen im Saal gesetzt hatten auf, nach vorn zu kommen.

«Dieses Haus ist für Kinder, für euch. Ihr seid das Wichtigste, was wir haben. Wir wollen, dass ihr glücklich und gesund seid», rief er ihnen zu und erhielt leidenschaftlichen Applaus. Dann setzte er sich, als wäre das ganz selbstverständlich, zusammen mit den Mädchen und Jungen auf den Fußboden, um ihnen die Geschichte von dem Waisenknaben zu erzählen, der später der Ordensgründer Don Bosco wurde.

 

Und er warnte die Kinder: «Das Leben ist hart, es ist wichtig, dass ihr etwas lernt und lasst euch nicht ausbeuten.» Die Deutschen ließen sich von Chávez’ unkonventioneller Art anstecken und verteilten Luftballons, Bonbons und Plüschtiere an die Kinder.

Globalisierung heißt auch Verantwortung

 

Zuvor hatte sich Salesianer-Pater Davis Aricatt bei der deutschen Regierung und bei Childaid Network bedankt. Denn aus Bundesmitteln waren 75 Prozent der Baukosten bezahlt worden, Childaid Network hatte 25 Prozent getragen. Unter den Spendern war auch der Kronberger Lions-Club. Dr. Klaus Lampe hatte im Namen der Königsteiner Hilfsorganisation versichert: «Childaid fühlt sich dafür verantwortlich, ihnen zu helfen. Denn wir haben die Globalisierung der Verantwortung verpasst.»

 

Pater Johnson Parackal, zusammen mit Pater Davis verantwortlich für das neue Heim, erklärte später die Bedeutung des Haus-Namens «Rilang»: In der Sprache des in Meghalaya heimischen Khasi-Stammes bedeutet dieses Wort «zusammen aufwachsen». «Mit diesem Heim geht ein Traum in Erfüllung. Hier sollen benachteiligte Kinder in Freude und Glück gemeinsam groß werden und lernen», sagte er.

Insgesamt 50 Kinder können in dem Heim wohnen. Für sie sowie für Kinder aus armen Familien, die, anstatt zur Schule zu gehen, in Kohleminen, Gaststätten, Hotels und Privathaushalten arbeiten müssen, soll es hier Unterricht geben. Außerdem zieht der Childline-Service hier ein, eine Beratungsstelle mit Sorgentelefon für Kinder, die zu den Snehalaya-Kinderhilfsprojekten im Nachbar-Bundesstaat Assam gehört, die vom Salesianer-Pater Lukose Cheruvalel geleitet werden.

 

Zum Rilang-Projekt gehören auch Verpflegung der Kinder, deren medizinische Versorgung, Kleidung, Schulgeld und Unterrichtsmaterial. Ferner Straßensozialarbeit und Straßenrand-Schulen. Kinder und Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, oder deren Rechte verletzt wurden, werden beraten und bei rechtlichen Auseinandersetzungen unterstützt. Zudem sollen Seminare bei Polizei, Behörden und Arbeitgebern das Bewusstsein für Kinder- und Jugendrechte schärfen.