29.10.09 14:51 Alter: 2 yrs

Nicht in Steine sondern in Menschen investieren

Kategorie: Childaid Network, Medienbericht, Königsteiner Salon

VON: ANDREA KOWOLLIK

Die Königsteiner Woche verbindet in Ihrem Artikel zur Aktionswoche der Stiftung Childaid Network die Einladung zu den konkreten Veranstaltungen mit einer allgemeinen Vorstellung der wertvollen Bildungsarbeit der Stiftung Childaid Network


(dea) Königstein, eine Stadt mit vielen Schulen und Autofahrern, die sich sicher mehr als einmal über die vielen Kinder ärgern, die mehr oder weniger zur selben Zeit in auftauchen und den Verkehr stellenweise zum Erliegen bringen. Kinder, die sich müde zur Schule quälen und Wissen oft als uninteressant und langweilig empfinden. Schulen sind wichtig, dass wissen wir alle, doch mit unserem Bildungssystem sind die wenigsten zufrieden. Was für uns mit Fehlern behaftet ist, davon träumen anderorts viele noch nicht einmal. So in Indien.

Für uns schwer vorstellbar, aber dort gibt es viele Gebiete, in denen noch nie ein Lehrer zuvor gewesen war. Wer liest noch weiter, wenn die Stichworte Flüchtlings-, Straßen-, Slum- und Waisenkinder aufgezählt werden? Bildung soll hier wichtig sein? Gibt es dort nicht andere Probleme, wie Hunger, Krankheit, Kastendenken, Benachteiligung von Mädchen bzw. Jungen, Grenzstreitigkeiten, fehlende Infrastruktur. Wo anfangen, und haben wir nicht genug eigene Probleme, die wir hier kaum lösen können?

Ob Dr. Martin Kasper und der Kinderrechtler Pater Lukose Cheruvalel eine Antwort auf diese Fragen haben, können sich die interessierten Leser gerne bei den verschiedenen Vorträgen vom 24.10. - 01.11.2009 machen. Orte und Zeitpunkte der Veranstaltungen sind:

Am 31.10. 2009 ab 10 Uhr ist in der Königsteiner Fußgängerzone zwischen Classic Design und Optik Preu sowie im Kurpark ein Kinderfest organisiert, welches Königsteiner Unternehmer und die Stiftung Childaid Network gemeinsam mit einer Zirkustruppe veranstalten werden. Mit Spielen, Wettbewerben und Vorführungen ist für jeden etwas dabei, natürlich auch interessante Informationen rund um das Projekt. Für Alle gibt es auch eine Tombola mit schönen Preisen. Wer sich noch an die Berichte über die neunjährige Anna Ramsay aus Glashütten erinnert, die mit ihrer Besteigung des über 4000m hohen Mt. Toubkal über 120.000€ für Straßenkindergesammelt hat, der kann am 31.10.2009 ab 16 Uhr zu einem bunten Nachmittag im Bürgerhaus Glashütten aus erster Hand erfahren, wie Pater Lukose diese Gelder verwendet und was Anna Ramsay während dieser Zeit erlebt hat.

Die Stiftung Childaid will während der Aktionswoche, im „für indische Begriffe“ Bildungsparadies Deutschland für ein Gut zu sensibilisieren, welches hierzulande selbstverständlich ist sowie den interessierten Zuhörern Zusammenhänge aufzeigen, zwischen dem fernen Indien und Königstein. Childaid Network versteht sich, wie der Name schon sagt, als Plattform für das Wirken rund um benachteiligte Kinder. Das Netzwerk basiert auf der Erkenntnis, dass eine Verbindung mit lokalen Partnern die beste Basis ist, um Erfolge zu erzielen. Nur wer sich vor Ort mit Sprache, Kultur und Religion auskennt, kann respektvoll wirken.

So reflektiert Pater Lukose Cheruvalel das erste Zusammentreffen mit Dr. Kasper nüchtern : “Mein Programm war ihm nicht groß genug. Er bot uns finanzielle Unterstützung und Ideen an, wollte uns als eine Gruppe positionieren und herausfordern.“ Wichtig ist ihm auch, dass die Kinder in ihren Familien bleiben: “Wir holen die Kinder von dem Slums in die Schule und bringen sie abends wieder zurück.“ Child aid hat erkannt, dass die klassischen Waisenhäuser, die wie eine geschützte Bastion abgeschottet sind, mehr Waisen möglich machen. Dr. Kasper weiß: „Viele Kinder, die noch Familien haben, werden auf den Stufen der Waisenhäuser abgelegt. Wir wollen die Kinder nicht aus ihrer Umgebung herausreißen.“ Doch nicht nur in den größeren Metropolen ist Childaid tätig. P. Lukose informiert:“ In 10.000 Dörfern funktioniert das Grundschulwesen nicht. Ein Teil der Dorfgeschmeinschaft sind Nomaden, sie leben isoliert, haben keine Infrastruktur. Wenn der Dorfälteste uns bittet, dann unterstützen wir einen Lehrer, der in der Abendschule, Lesen, Schreiben, Rechnen, bessere Hygiene, effektivere Landwirtschaftsmethoden und mehr beibringt. Das Dorf stellt eine Bambushütte und wir sorgen dafür, dass gemeinsam mit den Dorfbewohnern der passende Lehrer ausgesucht wird.“

Die wirksamste und unblutigste Waffe ist in diesem Kampf gegen Armut, Krankheit, Unwissenheit ist für Dr. Kasper und seine Mitstreiter eindeutig die Bildung. Sie kann den Menschen Hoffnung geben und ihnen eine eigene Verantwortung verleihen, in ihrem Leben für sich und andere aktiv werden zu können. So ist das Ziel von „Childaid Network“, dass alle Kinder zur Schule gehen können. Wichtiger als Gebäude zu bauen ist definitiv, Lehrer zu schulen. Bildung verändert das Bewusstsein.