30.10.09 14:35 Alter: 2 yrs

Vernachlässigt und missbraucht - spannender Vortragabend des Königsteiner Salons

Kategorie: Childaid Network, Medienbericht, Königsteiner Salon

VON: CHRISTIANE GENSRICH

Im Rahmen der Aktionswoche Bildung ist Zukunft veranstaltete der Königsteiner Salon seinen 10. Vortragsabend. Der Salesianerpater Lukose Cheruvalel berichtet vom Schicksal indischer Kinder, die als Sklavenarbeiter mißbraucht und in Slums beheimatet sind, denen die Stiftung eine Chance auf eine neue Zukunft schafft.


Für Straßen- und Slum-Kinder in der nordostindischen Millionenstadt Guwahati setzt sich Pater Lukose Ceruvalel ein. Unterstützt wird er von der Königsteiner Hilfsorganisation Childaid Network.

Königstein. Leer gekratzte Aluschalen liegen vor den Jugendlichen auf dem Boden. Sie haben die Essensreste auf einem Stück Zeitungspapier gesammelt und schieben sich jetzt das, was andere Leute weggeworfen haben, in den Mund. Einen herzzerreißenden Film über Straßenkinder, die am Bahnhof der nordostindischen Millionenstadt Guwahati leben, hat Pater Lukose Cheruvalel mitgebracht. Beim Königsteiner Salon in der Opelzoo-Lodge sprach der indische Geistliche am Mittwochabend über seine Arbeit mit Kindern, die in Slums und auf der Straße leben.

Der Königsteiner Salon hängt mit dem Kinderhilfswerk Childaid Network zusammen. Beide Organisationen wurden von dem Königsteiner Ehepaar Dr. Brigitta Cladders und Dr. Martin Kasper gegründet. Pater Lukose gehört dem katholischen Orden der Salesianer Don Boscos an und hat inzwischen mit Unterstützung von Childaid Network in Guwahati fünf Heime für insgesamt 200 Straßenkinder errichtet. Zudem besuchen dort 5000 Kinder die Alphabetisierungskurse seines Ordens.

«Guwahati hat zwei Millionen Einwohner und ist für den gesamten südostasiatischen Raum ein bedeutsames Wirtschaftszentrum», erklärt der Pater. Es gebe sehr reiche, aber eben auch sehr arme Menschen. «Viele Straßenkinder leben in der Nähe des Bahnhofs. Sie sind von zu Hause weggelaufen, weil sie vernachlässigt oder gar missbraucht worden sind», fährt er fort. Dann erzählt er vom Schicksal des drei Jahre alten Rakesh, den seine Mutter einfach am Straßenrand ausgesetzt hat. Und von Vishal, den seine Mutter, eine alkoholabhängige Prostituierte, fast erwürgt hätte. «Die Straßenkinder betteln und sammeln Lumpen, damit sie sich etwas zu essen kaufen können. Und manche von ihnen stehlen sogar. Und sie betäuben sich mit Klebstoffdämpfen, denn dann vergessen sie Hunger und Kälte.» Die Folgen aber sind oft fatal: «Subash wollte im Klebstoffrausch auf einen fahrenden Zug aufspringen. Aber er glitt auf dem regennassen Boden aus, rutschte unter den Zug und verlor beide Beine.»

Rakesh, Vishal und Subash sind heute glücklich. Sie haben in Pater Lukoses Kinderheimen ein neues Zuhause gefunden, gehen zur Schule oder sind bereits berufstätig. Aufgenommen werden Kinder jeder Religionszugehörigkeit. Nur wenige von ihnen sind Christen, die meisten dagegen Moslems und Hindus. «Wir sprechen zu ihnen von Gott, aber wir lassen ihnen ihre Religion. Sie leben alle als Gottes Kinder zusammen», sagt er. Doch in Guwahati gibt es noch immer über 20 000 Kinder, die nicht zur Schule gehen. Und das soll sich ändern. Pater Lukose kämpft für sie: «Alle Kinder haben die gleiche gottgegebene Würde und die gleichen Rechte», betont er.