Königstein (el) – Armut lindern und Menschen in der Dritten Welt durch gezielte Hilfe faire Chancen auf neue Perspektiven im Leben eröffnen – das ist im Groben das selbst gesteckte Aufgabenfeld der gemeinnützigen Stiftung Childaid Network, gegründet vom Ehepaar Dr. Martin Kasper und Dr. Brigitta Cladders aus Königstein. Das Netzwerk für bedürftige Kinder – und hier insbesondere jene, die in einem der ärmsten Zipfel der Erde in Südostindien, an der Grenze zu China, leben – profitiert und zieht neue Impulse auch vom Expertenaustausch, zu dem Dr. Kasper regelmäßig einlädt. Auch diesmal hatte er mit Prof. Johannis Tietmeyer, Bundesbankpräsident a.D., wieder einen hochkarätigen Experten als Referenten für den nunmehr 9. „Salonabend“ in die Lodge des Opel-Zoos eingeladen. Vor dem Hintergrund der Aussage, dass angesichts der weltweiten Finanzkrise „Arm und Reich noch nie so eng verbunden“ gewesen seien, wurde dem bekennenden Globalisierungs-Gegner Tietmeyer ein Statement dazu abverlangt, was in Zeiten immer schnellen technologischen Transfers unternommen werden müsste, damit sich die Finanzkrise nicht auch noch zu einer sozialen Krise ausweitet. Um das Ausmaß der gesamten Entwicklung und ihre kausalen Zusammenhänge erfassen zu können, sei es erforderlich, dass man die weltweite Entwicklung nicht nur rein aus wirtschaftlicher, sondern auch aus ethischer Sicht unter die Lupe nehme, riet der Falkensteiner, der ehemals Helmut Kohl als Berater zur Verfügung gestanden hatte. Das Potenzial für eine soziale Krise sei seiner Meinung nach vorhanden, doch es komme hier auf die „richtige Krisentherapie“ an und die dürfe eben nicht den sozialen Aspekt außer Acht lassen, ohne den eben auch die Marktwirtschaft und umgekehrt nicht auskomme. Nicht nur das Verhalten einiger Menschen aus der Finanzwelt drohe die Welt in eine Krise zu stürzen – vieles hänge auch von der progressiven Globalisierung ab. Mit den 90er-Jahren und der damit einhergehenden IT-Revolution seien Menschen in aller Welt erstmals zur gleichen Zeit an dieselbe Information gelangt, was völlig andere Produktkombinationen als bisher ermöglicht habe, zeichnete Tietmeyer die Entwicklung auf. Die Finanzmärkte seien die „Frontrunner“ der Globalisierung, doch schnell hätten sich auch Regulierungs-Defizite, sowohl in der Politik als auch im makroökonomischen Bereich bemerkbar gemacht. Durch die Federal Reserve Bank in den USA sei nach Ansicht von Tietmeyer zu viel Liquidität geschaffen worden, anstatt, was Tietmeyer für ratsam gehalten hätte, eine restriktive Geldpolitik zu betreiben. Weltweit habe dies zu einer Verzerrung der Wechselkurse geführt, was besonders im pazifischen Raum sehr ausgeprägt sei. Das artifizielle Wachstum wurde einfach fortgesetzt, „die Entwicklungsländer wollten Reserven in Dollar aufbauen“, skizzierte der Finanzexperte den sich aufbauenden Prozess, der an Momentum gewann, irgendwann außer Kontrolle geriet. Doch zum Glück hätten die einzelnen Regierungen – anders als in den 1929/30er-Jahren noch – rechtzeitig ihre „nationalen Rettungsschirme aufgespannt, um den Zusammenbruch der systemrelevanten Banken zu verhindern und seien dabei auch nicht der Verführung des Protektionismus erlegen. Denn diese führe laut Tietmeyer wiederum zu einer Benachteiligung des Auslandes und zu Verzerrungen. Laut Prof. Tietmeyer, der sich sehr beeindruckt vom Wirken der Childaid Stiftung zeigte, gelte es zwei Gefahren zu vermeiden: Zum einen anhaltende Stagnation, was zum bereits erwähnten Protektionismus und folglich zu Arbeitslosigkeit führen würde, und zum anderen neue inflationäre Entwicklung. „Entscheidend ist der Zeitpunkt für die Korrekturen“, so der Finanzfachmann, der ausführte, dass Inflation soziale Ungerechtigkeiten schaffe, wobei leider immer das Prinzip Gültigkeit haben werde, dass diejenigen, die nicht mit „Knowledge“ (Wissen) ausgestattet seien, die Dummen sind. Krisenüberwindungs-Politik müsste langfristig ausgelegt werden, dafür plädiert Tietmeyer. Dabei spiele auch der Aspekt der Innovation eine entscheidende Rolle. Schließlich bringe diese die für den Fortschritt und eine Weiterentwicklung nötige Produktivität mit sich – der Sozialstaat basiere schließlich auch auf einem Wachstumspfad. Wenn dem nicht so wäre, dann würde die Finanzierung der Altersversicherungssysteme auf sehr wackeligen Beinen stehen, gar zusammenbrechen. „Keine falschen Weichen mehr stellen durch kurzatmige Politik“, warnt Tietmeyer und plädiert ebenso dafür, keine Arbeitsplätze mehr zu erhalten, die nicht länger wettbewerbsfähig seien. Mit an oberster Stelle steht für ihn die Schaffung eines Ordungsrahmens, eines Gerüstes, an das sich die Weltwirtschaft hält. Und dieser sollte idealerweise in eine Sozialordnung eingebettet sein. Dabei gelte es einen Katalog von Grundpositionen zu entwickeln. Dabei könnte sich Tietmeyer einen makroprudenziellen Rat, eventuell unter dem Vorsitz der Europäischen Zentralbank, vorstellen. Es müssten Weiterentwicklungen des Regelsystems angestoßen werden, damit „im brennenden Haus langsam das Feuer gelöscht, ein Rahmenwerk aufgebaut sowie Stabilität geschaffen werden könne“, so Tietmeyer, der die Aussage unterstreichen würde, dass „Ökonomie vieles, aber nicht alles“ ist. Ohne eine neue wachsende Weltwirtschaft gebe es nun mal keinen Fortschritt, eine längere Stagnation wäre eine Tragödie für die Dritte Welt und würde zudem Ungleichheiten verschärfen. „Es muss eine größere Bereitschaft des gemeinsamen Handels gezeigt werden“, urteilt Tietmeyer und fordert gleichermaßen mutige politische Entscheidungen wie „Samariter“, die auch ökonomische Prinzipien beachten. Man müsse die Menschen vorbereiten, auf der Gewinnerseite zu sein; Globalisierung sei steuerbar. Dabei müsse man nicht nur in den alten Traditonen stecken bleiben, sondern sich Veränderungen stellen und dabei die dafür notwendigen Hilfen in Anspruch nehmen. Infos können auch unter www.koenigsteiner-salon.de. bezogen werden. |