30.05.07 23:37 Alter: 5 yrs

Bildung schützt vor Armut, Ausbeutung und Aids

Kategorie: Königsteiner Salon, Medienbericht, Childaid Network

VON: TAUNUSZEITUNG, KÖNIGSTEIN

Der dunkelhäutige Junge ist etwa acht Jahre alt. Unter dem Arm trägt er ein Heft, auf dem Rücken einen blauen Plastikstuhl. Der junge Angolaner ist auf dem Weg zur Schule. Dr. Dietrich Garlichs, Deutschland-Geschäftsführer des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef, präsentierte das Bild des Jungen bei seinem Vortrag über die Bedeutung von Schulbildung in der Entwicklungshilfe.

Königstein. Der dunkelhäutige Junge ist etwa acht Jahre alt. Unter dem Arm trägt er ein Heft, auf dem Rücken einen blauen Plastikstuhl. Der junge Angolaner ist auf dem Weg zur Schule. Dr. Dietrich Garlichs, Deutschland-Geschäftsführer des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef, präsentierte das Bild des Jungen bei seinem Vortrag über die Bedeutung von Schulbildung in der Entwicklungshilfe. Der Königsteiner Salon (siehe links) hatte dazu rund 80 Spezialisten in die Opel-Zoo-Lodge nach Kronberg eingeladen.

Der Junge, dessen Weg durch die Stadt Uwambo an zerschossenen Hauswänden vorbei führt, hat es besser, als viele andere. „120 Millionen Kinder im Primärschulalter gehen gar nicht in die Schule“, erklärte Garlichs. Dabei sei nur Bildung das wirksamste Mittel gegen Armut, Ausbeutung und Aids. Und er zitierte aus einem Bericht der Weltbank: „Keine Entwicklungsinvestition ist ertragreicher und nachhaltiger als Grundbildung.“ Wobei Grundbildung den Unterricht vom ersten bis zum sechsten oder siebten Schuljahr meint.

Dabei haben es die Schulkinder in Uwambo nicht leicht. „In der Schule gibt es keine Stühle, viele Kinder sitzen auf Steinen oder mitgebrachten Blechdosen“, berichtete Garlichs. „Sie müssen im Schnitt sieben Kilometer weit zu Fuß zur Schule gehen, haben nichts im Magen und leiden an Darmparasiten. Zudem sind sie müde und verschwitzt.“ Rund 50 Schüler werden zusammen in einer Klasse unterrichtet, die Lehrer sind schlecht ausgebildet und schlecht bezahlt, die Unterrichtsmethoden dürftig. Doch das ist noch nicht das Schlimmste. Die Schule ist halb zerstört. „Für 2000 Kinder gab es lange Zeit kein Wasser und keine Toilette. Viele Eltern schickten deshalb ihre Mädchen nicht zu Schule.“ Seit Unicef für die Einrichtung aber getrennte Toiletten für Jungen und Mädchen gebaut hat, ist das besser geworden.

855 Millionen Menschen auf der Welt können weder lesen noch schreiben. Ursachen dafür, dass Kinder nicht zur Schule geschickt werden, sind unter anderem Armut, die fehlende Schulbildung der Mütter, Schulgebühren, ein langer Schulweg und schlechter Unterricht. Aber Dr. Garlichs nannte auch positive Beispiele für gelungene Bildungsprojekte, darunter „Joyful learning“ in Indien. „Das bedeutet moderne Pädagogik ohne militärischen Drill.“ Und in Bangladesh und Nepal haben arbeitende Kinde die Chance, in ihrer Freizeit spezielle Schulen zu besuchen. Trotzdem ist das noch zu wenig. Garlichs: „Bildung wird unterschätzt, die Politik hat wenig Interesse daran, vielleicht weil sich keine Exportinteressen damit verbinden lassen.“ Der Anteil der weltweiten Entwicklungshilfe an der Grundbildung liege bei nur 4,8 Prozent. Das deutsche Entwicklungshilfe-Budget sehe gar nur 0,9 Prozent vor. Unicef fordere einen Anteil von 10 Prozent. (cg)